Der Flegel



 
 
 
 
 

Sicherheit
Bau
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Ein Kriegsflegel gehört zur Gruppe der Kettenwaffen. Er hat im LARP also mit den gleichen Vorurteilen zu kämpfen, wie der Morgenstern. Einige SL halten Kettenwaffen für unsicher. Dies ist aber keineswegs so.

1. Sicherheit

Der erste Kritikpunkt ist, daß die freiliegende Kette jemanden verletzen könne. Nun, bei einem Kriegsflegel liegt lediglich ein, maximal zwei, ganze Kettenglieder wirklich frei (auf einer Länge von ca.10 cm). Vor und hinter der Kette befindet sich Schaumstoff in einer Stärke von ca. 6 cm. Es ist also außer bei einem Stoß kaum möglich, daß die Kettenglieder den Körper des Gegners überhaupt berühren. Nun hat der Kämpfer mit einem Flegel anders als ein Schwertkämpfer aber überhaupt nicht das Bedürfnis zu stechen, da dies mit dem Flegel eine unnatürliche Kampfbewegung ist. Ein "Stich" wird also nur in Folge einer verunglückten Parade ausgeführt werden. Dabei handelt es sich aber in jedem Fall um eine Bewegung, bei der nur wenig Moment in der auf den Körper auftreffenden Kette liegt, da an ihr herunter ja noch das breite Schlaggewicht liegt, welches den Körper zunächst trifft. Ein versehentlich ausgeführter Spitzentreffer mit den heute üblichen, insgesamt sehr harten Latex-Schwertern ist in jedem Fall schmerzhafter (von der Gefahr, daß in solchen Fällen trotz Ledereinlage der Kernstab austritt, einmal abgesehen).
Auch ein Einklemmen von Fingern und anderen schmalen Extremitäten ist bei einem Kriegsflegel aufgrund des kurzen Kettenstücks und der breiten Polsterstücke ober- und unterhalb der Kette nicht möglich, da die Kette aufgrund dieser Konstruktion nämlich nicht im spitzen Winkel zusammengeklappt werden kann.
Schließlich wird teilweise kritisiert, daß mit Kettenwaffen aufgrund der Tatsache, daß keine starre Verbindung zwischen Griff und Schlagfläche (Schlaggewicht) besteht, ein Schlag nicht kurz vor dem Auftreffen abgefangen werden könne, um ihn abzumildern. Dies ist zum einen nicht richtig, da durch ein Abbremsen des Schlags kurz vor dem Auftreffen des Schlaggewichts der Schlag sehr wohl abgemildert werden kann. Dieses Abbremsen muß nur zu einem Zeitpunkt einsetzen, bei der die Trefferfläche noch weiter vom Ziel entfernt ist, als beispielsweise bei einem Schwert. Zum andern muß bei diesem Argument gefragt werden, wer außer wenigen  Mittelaltermarkt- oder Reenactment-Geschulten diesen Kampfstil überhaupt perfekt beherrscht. Die meisten LARP-Spieler mildern doch ihre Schläge dadurch ab, daß sie den gesamten Schlag einfach nicht so hart ausführen. Unter dieser Voraussetzung ist aber auch der Treffer zumindest mit einem Flegel nicht härter. Die Tatsache, daß sich bei einer Kettenwaffe das Schlagmoment in dem Schlaggewicht sammelt (was im übrigen auch bei den ansonsten "unverdächtigen Streitkolben und Äxten so ist), während es sich bei Schwertern über die ganzen Klinge verteilt, wird dadurch kompensiert, daß sich dieses Schlagmoment bei einem Treffer auf einer weit größeren Trefferfläche (hier die mehreren cm2 des Schlaggewichts, dort die wenigen mm2 der Klinge) verteilt.

Insgesamt muß man sagen, daß der Flegel (bei einem Morgenstern mag die Sache anders liegen) eine LARP-technisch sichere Waffe ist, die noch dazu den Vorteil hat, daß sie von ihren Besitzern regelmäßig realitätsnäher geführt wird, da z.B. die bei Schwertkämpfern allseits beliebte Stakkatoschläge mit einem Flegel nicht möglich sind.

Doch nun zum

2. Bau

Der Bauanleitung vorausgeschickt sei der Rat, daß beim Flegel, anders als bei anderen Waffen, bei denen erst der gesamte Rohling gebaut und dieser dann komplett gelatext und versiegelt wird, jeder der drei Hauptteile (Stiel, Schlaggewicht und Kettenpolsterung) separat fertiggestellt werden sollten. Das heißt, zunächst baut man den Stiel, latext ihn und versiegelt die Oberfläche mit Coetrans oder Elefantenhaut. Dann setzt man das Schlaggewicht an, welches ebenfalls gelatext und versiegelt wird. Als letztes polstert man die Kette und - genau ! - latext und versiegelt sie. Das hat den Grund, daß man die Waffe andernfalls nur mit erheblicher Mühe latexen kann, da Stiel und Schlaggewicht halt nicht starr, sondern beweglich sind und immer die Gefahr besteht, daß die beiden Teile zusammenklappen und das Latex entweder verschmiert oder aneinander kleben bleibt.

Wie man den Stiel vom Grundsatz her baut, schlagt ihr am Besten bei der Bauanleitung für den Streitkolben nach ( hier geht direkt zur Bauanleitung für den Stiel). Das obere Ende wird jedoch anders hergestellt. Hier muß ja das Ende der Kette angebracht werden. Als Kette verwende ich eine Kunststoff-Kette mit einer Gliedgröße von ca. 32 X 85 mm. Für einen Flegel braucht man je nach Länge des Schlaggewichts 7 - 8 Glieder.
Nun wird zuerst das PVC-Rohr, bevor der Buchenholzstab eingesetzt und die Rohrisolierung übergeschoben wird, mit zwei gegenüberliegenden Bohrungen versehen. Der Abstand der Löcher sollte so gewählt werden, daß beim Durchfädeln des ersten Kettengliedes das folgende Glied stramm auf dem Ende des Rohres aufliegt. Die gebohrten Löcher müssen nun noch ausgefeilt werden, damit das erste Kettenglied gut eingepaßt werden kann. Ist dies getan, wird dieses Glied am Scheitelpunkt aufgeschnitten und wie auf der Zeichnung zu sehen mit Pattex in das Rohr geklebt. Der obere Teil des Rohres wird jetzt dick (und damit meine ich DICK) mit Gewebeklebeband umwickelt. Diese Umwcklung soll von kurz unter dem Eintrittspunkt des ersten Kettengliedes bis etwa zur Hälfte des zweiten Gliedes gehen. Ist dies getan, kann der Buchenrundstab wie auch beim Streitkolben in das Rohr geklebt werden. Aufgrund des durch das Rohr gesteckten Kettengliedes kann er aber natürlich nicht bis zum Ende durchgeschoben werden.

Ist der Kernstab mit Kette nun fertig, kann man mit der Polsterung beginnen. Dazu wird jetzt wieder die schon vom Streitkolben bekannte Rohrisolierung auf den mit Pattex eingeschmierten Kernstab geschoben. Da im oberen Bereich die Kette sitzt, kann die Schaumstoff-Isolierung nicht ganz über den Kernstab geschoben werden. Daher werden in den Schaumstoff Aussparungen geschnitten, um so die Polsterung weiter über das Rohr zu schieben. Je weiter, desto besser, da hierdurch das breitere Rohr, welches später über das obere Ende des Kernstabs geschoben wird, mehr Halt bekommt. Der Umfang des unteren Rohres darf dabei aber nicht zu dick werden, sonst paßt das nächstgrößere Rohr nicht mehr drüber.
Dieses wird dann auf eine Länge von ca. 10 cm geschnitten und von oben auf den Stiel geschoben. Dabei liegt der obere Rand des dickeren Rohres etwa auf Höhe der Hälfte des zweiten Kettengliedes, also dort, wo auch die Tape-Umwicklung endet.
Hierdurch ist jetzt im oberen Bereich des Stiels ein Hohlraum entstanden (da das schmalere Rohr nicht ganz bis zum Ende durchgeht), dieser wird jetzt mit Silikon ausgefüllt.
Nachdem das Silikon vollkommen durchgetrocknet ist, wird der dickere obere Teil des Stiels so mit Gewebeklebeband abgeklebt, daß nur noch die obere Hälfte des zweiten Kettengliedes hinausschaut. Diese Tape-Schicht ist deswegen notwendig um der Rohrisolierung mehr Halt zu geben und den mit Silikon ausgefüllten Hohlraum zu verschließen (Latex hält nämlich kaum auf Silikon).

Für schlankere, elegantere Flegel ohne die Verdickung über dem Kettenaustritt wird eine schmalere Kette (Kettengliedgröße 20 X 53 mm) verwandt. Zur Befestigung wird zunächst durch
den 12 mm Buchenrundstab etwa 40 mm unter dem Ende ein Loch mit dem Durchmesser des Kettengliedes gebohrt (ca. 6 mm). Von dem Loch aus wird jetzt bis zum Ende des Stabes eine Nut gefeilt, die so tief ist, daß die Breite des Holzes zwischen den beiden Nuten dem Innendurchmesser eines Kettengliedes entspricht. Das erste Kettenglied wird jetzt auf einer Längsseite durchgeschnitten und durch das Loch gefädelt. Bedingt durch die Nuten sollte das Kettenglied jetzt fest längs auf dem Holzstabende sitzen (siehe Grafik).
In das 16 mm PVC-Rohr (rot/schlagzäh) werden nun gegenüberliegend zwei Kerben gesägt (siehe Grafik). Die Breite der Kerbe entspricht der Breite des eines Schenkels des Kettengliedes, die Länge soll so gewählt werden, daß das Rohr über den Holzstab bis stramm an das zweite Kettenglied heran geschoben werden kann. Der ganze Kernstab wird nun wie gewohnt mit Tape umwickelt (der Bereich des ersten Kettengliedes wird noch einmal extra stramm mit Tape umwickelt).
Schließlich wird Schaumstoffrohrisolierung über den Kernstab und über (nicht bis vor das erste Kettenglied, wie in der oben beschriebenen Bauweise) das erste Kettenglied bis etwa zur Hälfte des zweiten Gliedes geschoben. Da die Schaumstoffisolierung in der Regel geschlitzt ist, sollte der obere Bereich, der über den beiden Kettengliedern verläuft, von außen mit Tape umwickelt werden, um ein späteres Aufplatzen der Umpolsterung zu verhindern. An dieser Stelle kann dann ja später die "Metallkappe" des Flegels angelatext werden. Den Freiraum am obern Ende in Innenbereich des zweiten Kettengliedes wird jetzt wie beim Streitkolben noch mit Schaumstoff aufgefüllt, fertig ist der schlanke Stiel.

Nachdem der Stiel soweit ist, wenden wir uns nun dem Schlaggewicht zu. Dieses beginnt auf der Hälfte des vierten Kettengliedes und sollte etwa 30 cm lang sein. Es hat keinen Kernstab, dafür wird die Kette im Schlaggewicht bis ca. 5 cm vor dessen Ende stehengelassen.
Die Kette wird nun unter Zuhilfenahme von viel Latex mit zugeschnittener Rohrisolierung umgeben (siehe Zeichnung). Dieses innere Rohr wird jetzt stramm mit Gewebeklebeband umwickelt. Die so hergestellte "Wurst" wird nun in eine dickere Rohrisolierung eingeführt. Die letzten 5 cm bleiben dabei logischerweise frei. Dieser Hohlraum wird wie das obere und untere Ende aller Stangenwaffen mit Schaumstoff ausgefüllt.

Danach kann das Schlaggewicht mit allen möglichen Pickeln, Stacheln und Dornen "verziert" werden. Wie diese hergestellt werden könnt Ihr bei der Bauanleitung des Streitkolbens nachlesen.

Ein eckiges Schlaggewicht stellt man am Besten aus normalem Polsterschaumstoff her. Dazu plant man zuerst das Aussehen des Schlaggewichtes (in der Regel eine langgezogener Pyramidenstumpf, teilweise mit einem dicken Ende, welches in einer flachen Pyramide ausläuft). Dabei ist zu beachten, daß an der schmalsten Stelle (da, wo die Kette rauskommt) mindestens       2 cm Schaumstoff zwischen der Kette und der Außenseite liegen sollten.
Nun läßt man sich in einem Schaumstoff-Geschäft einen Schaumstoff-Block (verlangt dabei einen festen, geschlossen-pohrigen Schaumstoff)  zusägen, der die Länge des Schlaggewichts sowie Höhe und Breite der dicksten Stelle hat. Diesen Block bittet man, noch einmal längs in der Mitte durchzuschneiden.
Nun kommt der schwierige Teil: Die entgültige Form muß aus den beiden Hälften zugeschnitten werden (wer einen Schaumstoffladen hat, der eine Schaumstoff-Säge mit winklig verstellbarem Anschlag hat, kann die entgültige Form schon dort ausschneiden lassen). Dazu wird die Form zunächst auf alle Seiten gezeichnet und dann mit einem langen und scharfen Küchenmesser (die normallen Cutter-Klingen dürften in der Regel zu kurz sein) ausgeschnitten, wobei der Schnittverlauf immer von beiden Seiten des Blocks (deswegen die Zeichnung auf jeder Seite) kontrolliert werden sollte.
Nun wird die Kette mit dem Schlaggewicht verbunden. Dabei soll die Kette so lang gelassen werden, daß die Kette von der Hälfte des zweiten vollständig freien Kettengliedes bis ca. 5 cm vor das Ende des Schlaggewichtes reicht. Die Kette wird jetzt entlang ihres späteren Verlaufs auf die Innenseite der Schlaggewichtshälfte gelegt und die Kettenglieder aufgezeichnet. Der Platz für die Kettenglieder wird jetzt auf beiden Hälften mit einem Lötkolben eingeschmolzen und zwar so, daß die Kette fest im Schlaggewicht sitzt, wenn beide Hälften aufeinander liegen.
Beide Hälften werden schließlich mit Pattex eingestrichen, welches man gemäß der Verarbeitungsanweisung antrocknen läßt. Ist dies geschehen, werden die Vertiefungen für die Kette dick mit Pattex eingestrichen, die Kette eingelegt und die beiden Hälften aufeinander gepreßt.
Damit die Kette durch den Schaumstoff nicht zu fühlen ist, werden jetzt noch alle Seiten des Schaumstoffes mit 3 mm Polsterwaffenschaumstoff verkleidet und gegebenenfalls mit Stacheln o.ä. (siehe Streitkolben) verziert.
 

Egal, welche Art von Flegel man gebaut hat, wird nun das freie Kettenglied (das vom Stiel aus gesehen dritte) zwischen Stiel und Schlaggewicht noch gepolstert. Dazu werden die beiden Längsseiten des Kettengliedes mit 5 mm starken Schaumstoffstreifen umklebt. Der Streifen sollte etwa eine Breite von 2/3 der Länge des Kettengliedes haben und so mittig zwischen den beiden anschließenden Gliedern plaziert werden, daß die Ketten noch immer gut beweglich ist. Das ganze wird dann mit Gewebeklebeband umwickelt. Ist das getan dürfte die Waffe auch für die kritischste SL sicher genug sein.

Danach ist der Rohling fertig und kann gelatext werden (auch dies läuft genauso wie beim Streitkolben ab).

Herzlichen Glückwunsch. Ihr habt jetzt eine Waffe, die es nicht alle Tage auf einem LARP zu sehen ist, und die auch noch enorm praktisch im Kampf gegen Schildträger ist, da man mit ihr praktisch um den Schild herum schlagen kann.
 
 

Bruder Egberths Flegel, der ihm von eigenhändig missionierten Ogern geschenkt wurde
(Bild anklicken für Details)
 

Kürzerer und schlankerer Flegel mit eckigem Schlaggewicht


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