Der Streitkolben

 
Stiel
Kopf
Keule
Latexen
Griff
zum Seitenende

Ein Streitkolben besteht grundsätzlich aus zwei Teilen: dem Stiel und dem Kopf. Beim Kopf haben sich im wesentlichen zwei Formen eingebürgert, nämlich der Französische Stil und der Ich-Weiß-Auch-Nicht-Wie-Man-Ihn-Nennen-Soll-Haut-Aber-Trotzdem-Alles-Platt Stil (falls jemand unter Euch den korrekten Namen weiß: hergemailt damit). Bei dem französischen Stil sind um den Kopf herum mehrere stumpfe Blätter angeordnet, bei dem anderen Stil sind es Nägel, Stacheln, Pickel oder einfach gar nix. Auch ein Streitkolben im weitern Sinne ist die Keule (beschlagen oder pur). Aufgrund der leicht abweichenden Bauweise soll sie am Ende gesondert behandelt werden.

Allen Streitkolben ist jedoch eins gemein: Zu führen sind sie wie eine Keule. Man kann nur ziemlich schlecht mit ihnen parieren, daher sollte man immer an seinen Schild denken. Ansonsten gibt es allerdings nichts zu bedenken. Nicht elegant aber effektvoll. Einfach draufhauen (abgebremst natürlich) bis der Gegner Brei ist (d.h. 0 Lebenspunkte hat) oder die Falschheit seines Standpunktes eingesehen hat (was in der Regel der Fall ist, wenn er Brei ist). Wenn der Gegner gut und fair mitspielt, sollte ihn der erste Schlag zumindest zurücktaumeln lassen, wenn nicht sogar von den Socken hauen. Aber in der schwert-verzogenen LARP-Welt wird man dies wohl nie erleben.

Doch nun zum Bau. Fangen wir einfach an mit:

 
1. dem Stiel

Der Stiel besteht im wesentlichen aus einem Kernstab mit einer Ummantelung aus Schaumstoff.

Für den Kern verwende ich bei allen Stangenwaffen 16 mm PVC-Rohr mit 2 mm Wandstärke. Dabei auf gar keinen Fall graues PVC-Rohr aus dem Baumarkt verwenden, dies splittert zu leicht. Brauchbar ist allein PVC rot/schlagzäh, damit kann man dann aber auch Betonpfosten durchhauen (nun, man muß schon ein paar mal dagegen hauen). Dieses gibt es für billig Geld (5 m kosten rund 10 DM) bei dem Baustoffhändler eures Vertrauens oder im technischen Großhandel. In dieses Rohr wird jetzt mit reichlich Pattex-Kraftkleber (der gute, mit ordentlich stinkendem Lösungsmittel - vergeßt den lösungsmittelfreien, der trocknet nicht so gut aus und bröckelt mit der Zeit) ein 12 mm Buchenholzrundstab eingeführt. Das Ganze wird jetzt auf die gewünschte Länge gesägt und die Kanten oben und unten mit einer Feile gebrochen. Jetzt den Kernstab noch mit Gewebe-Klebeband ummanteln, das gibt eine bessere Haftgrundlage für die Klebeverbindung zum Schaumstoff und verhindert, daß bei einem Bruch (so unwahrscheinlich der auch sein mag) Splitter austreten.
Teilweise wird propagiert, für den Kern auch bei Stangenwaffen einen Glasfiberstab zu verwenden. Ich neige eher nicht dazu, da ich für die Ummantelung Schaumstoffisolierung aus dem Baumarkt mit 16 mm Innendurchmesser verwende (s.u.). Würde man jetzt als Kern einen 16 mm dicken Glasfiberstab nehmen, könnte man auch gleich ein Stahlrohr einsetzen oder mit Baseballschlägern auf seinen Gegenüber eindreschen, will sagen, der Kern  wäre einfach zu schwer und im Kampf für den Gegner nachdrücklich fühlbar. Ein Glasfiberstab sollte höchstens bei langenStangenwaffen (ab ca. 1,50 m) Verwendung finden, da ab dieser Länge die hier propagierte Bauweise ein wenig zur Schwabbeligkeit neigt.)
Nimmt man einen dünneren Kernstab, so kriegt man den nicht in die Isolierung geklebt oder muß etliche Rollen Tape verwickeln um die richtige Dicke zu erreichen.
Eine weitere Alternative wäre die Verwendung von Bambusstäben, was zu einem geringeren Gewicht aber auch zu einer geringeren Bruchsicherheit führt. Bambusstäbe in dieser Dicke kriegt man übrigens recht billig in Raiffeisen-Märkten.

Für die Schaumstoffummantelung verwende ich wie oben bereits gesagt Rohrisolierung aus dem Baumarkt, welches einen Innendurchmesser von 16 mm hat. Damit sitzt sie ordentlich stramm auf dem Kern. Der Schaumstoff sollte ca. 20 cm kürzer sein als der Kernstab und wird wie immer mit reichlich Pattex so aufgeschoben, daß er am oberen Ende ca. 5 cm übersteht. Der Kleber darf dabei aber nicht nach Gebrauchsanweisung verabeitet werden (beide Seiten einschmieren, trocknen lassen und erst dann zusammenpressen) sondern die Teile müssen übereinandergeschoben werden, solange der Kleber noch  "feucht" ist. Andernfalls kriegen keine zehn Pferde den Kernstab in die Rohrisolierung geschoben. Das verbleibende Loch füllt man ebenfalls mit Schaumstoff aus. Dies geht am besten, in dem man ein Stück Rohrisolierung halbiert (das Stück sollte etwas länger als 5 cm sein) reichlich von allen Seiten mit Pattex einschmiert und der Länge nach schneckenförmig eng zusämmenrollt bis man eine Wurst hat, die ein klein bißchen dicker als das Loch ist. Diese Wurst wird nun in das Loch gesteckt (bevor der Kleber trocken ist, s.o.), wobei sich die Schnecke wieder aufdreht und so fest an die Innenwand der Rohrisolierung preßt. Nun das ganze trocknen lassen und danach die Wurst bündig abschneiden.
Das unten überstehende Ende des Kernstabes bildet den Griff. Dieser erhält keinen Schaumstoffmantel. Dazu aber unten mehr.
Den unteren Abschluß des Stiels bildet ein ca. 10 cm langes Stück Rohrisolierung, welches auf 5 cm wie oben beschrieben verstöpselt und dann wie eine Kappe auf den Kernstab geschoben wird.

Wenn der Streitkolben einen Holzstiel haben soll ist es jetzt an der Zeit mit einem Lötkolben eine Maserung (dabei sehen ein paar Astlöcher recht gut aus) in die Rohrisolierung einzuschmelzen. Hierbei sollten die Rillen nicht so tief sein, daß die Schaumstoffummantelung ihre Polstereigenschaft verliert, aber auch nicht zu flach, da sich ansonsten die Rillen später beim latexen zusetzen.
Soll der Streitkolben einen Metallstiel haben, so macht man direkt weiter mit

2. dem Kopf

Der einfachste Kopf ist einfach eine Verdickung des Stieles etwa in Form einer Schaumstoffkugel oder eines Stücks Rohrisolierung, welches einen größeren Außendurchmesser als der Stiel hat. Der Innendurchmesser sollte hierbei idealerweise dem Außendurchmesser des Stiels entsprechen, um einen festen Sitz zu erreichen. In allen Fällen wird der Kopf (wieder mit viel Pattex) über den Stiel geschoben.

Da diese Konstruktion dann doch etwas schlicht aussieht, sollten jetzt noch Nägel, Stacheln oder Pickel aus Schaumstoff aufgeklebt werden (hier bei der Verklebung aber wieder nach Vorschrift vorgehen).
Für größere Stacheln, die im Prinzip pyramidenförmig sind, empfiehlt es sich, diese aus einem Stück Rohrisolierung zu schneiden, da dieses schon ideal gewölbt ist und so die Klebestelle unter weniger Spannung steht. Dabei solltet Ihr aber darauf achten, daß die Unterseite der Pyramide auf der Innenseite der Rohrisolierung liegt.
Um die Pyramidenform herauszuarbeiten, nun das gebogene Quadrat mit einem Stahllineal entlang der Scheitellinien plattdrücken, wobei die untere Kante (d.h. die Innenseite, s.o.) glatt mit einer festen Platte (etwa einem Tisch oder einem anderen Stahllineal) abschließt und dann mit einem scharfen Messer entlang der beiden Anlagekanten entlangfahren. Hat man das ganze vier mal wiederholt, so sollte man eine einigermaßen gleichmäßige, nach innen gewölbte Pyramide haben.
Sollte diese nicht gar so glatt und regelmäßig aussehen, so ist das auch relativ egal, da diese Fehler nach dem Latexen größtenteils glattgebügelt sind, und der Streitkolben ja auch aussehen soll, wie vom Dorfschmied und nicht wie von einer Maschine gemacht.
Für kleine Pickel (etwa Nagelköpfe) eignen sich im übrigen ganz hervorragend halbierte  Schaumstoffkügelchen, die zum Reinigen von Zapfanlagen verwendet werden. Diese haben einen Durchmesser von ca. 12 mm und man erhält sie für 20-30 Pfennig pro Stück entweder bei Bierverlagen oder in Läden für Gastronomiebedarf (also überall dort, wo es auch Zapfanlagen gibt).

Der Bau eines Kopfes im Französischen Stil ist etwas schwieriger. Dieser besteht im wesentlichen aus 4 - 8 Blättern, die sternförmig um den Stil angeordnet sind.

Zunächst müssen diese Blätter aus Schaumstoffmatte ausgeschnitten werden. Ich verwende hierfür Evazote, da die Blätter (anders als bei Äxten und Schwertern) nur aus einer Schicht Schaumstoff bestehen und daher sehr stabil sein sollen. Isomatten aus Evazote bekommt man im besseren Camping- und Outdoorhandel (z.B. Globetrotter). Die sind zwar nicht gerade billig (eine Matte in der Größe 60X180X1 cm kostet um die 40 DM), dafür sind sie aber praktisch unkaputtbar (gilt allerdings auch für die Bearbeitung, also nur ein wirklich scharfes Messer oder gar einen Schaumstoffschneider (=Bügel mit heißem Draht) verwenden).
Dabei wird bei der eigentlichen Blattform an der Seite, welche am Stiel anliegen soll, ein Streifen zugegeben, der die Breite des Isolationsrohres hat, in welches das Blatt später eingepaßt wird (dazu unten mehr). Bei der Blattform sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Man sollte aber darauf achten, daß die Blätter nicht zu breit sind (insbesondere, wenn der Kopf nur wenige, z.B. nur vier Blätter Hat), damit später der Eindruck eines kompakten Kopfes entsteht. Auf der Grafik unten habe ich einmal drei mögliche Blattformen als Beispiel zusammengestellt.

Nun wird ein Stück Rohrisolierung abgeschnitten. Dieses Stück sollte etwa 6 cm länger sein, als die Länge der einzelnen Blätter und der Innendurchmesser dem Außendurchmesser des Stiels entsprechen. Nun werden in dieses Rohr parallel Längsschlitze in der Breite der Blattstärke
geschnitten, für jedes Blatt ein
Schlitz. Dabei soll ober und unterhalb der Schlitze jeweils ein Ring aus Schaumstoff bestehen bleiben (dafür war die Zugabe von 6 cm), um der Konstruktion mehr Stabilität zu geben. Um die Schlitze gerade und parallel der Länge des Rohres zu schneiden, kann man sich im übrigen an dem Anschnitt orientieren, den jede Rohrisolierung hat.
Nun wird die Rohrisolierung mit viel Pattex über den Stiel geschoben. Dabei muß darauf geachtet werden, daß sie sich nicht verdreht und die Schlitze gerade bleiben (sonst hat man am Ende einen Bohrer und keinen Streitkolben).
Ist diese fest verklebt, können die Blätter in die Schlitze geklebt werden. Habt Ihr die Schlitze sauber geschnitten, so sollten die Blätter jetzt wie auf dem oberen Bild sternförmig abstehen. Ansonsten müssen die Blätter noch etwas beigebogen werden.

Zu einer etwas anderen Bauweise als beim Streitkolben greift man bei

3. der Keule

Die Herstellung einer Keule unterscheidet sich insoweit von der des Streitkolbens, als hier Stiel und Kopf nicht getrennt sind, sondern ineinander übergehen.

Das Grundgerüst bildet hier wie auch beim Streitkolben ein 16 mm PVC-Stab mit eingestecktem 12 mm Buchenholzrundstab. Hierüber wird als erstes mit viel Pattex eine Rohrisolierung mit 16 mm Innendurchmesser geschoben (der Teil des Stabes, wo später der Griff sitzen soll bleibt wie auch beim Streitkolben frei und auch die Öffnungen an beiden Enden werden wie oben beschrieben geschlossen).  Als nächstes wird über die Rohrisolierung (außer  bei dem kurzen Stück unterhalb des Griffs) eine weitere größere Rohrisolierung geklebt.
Es folgt eine dritte Schicht. Falls es in dem Baumarkt Eures Vertrauens keine Rohrisolierung mit passendem Innendurchmesser für die dritte Schicht gibt, werden einfach zwei Rohrisolierungen des nächst kleineren Durchmessers genommen, aufgeschnitten und dann in zwei Hälften auf die darunterliegende Schicht geklebt (dafür aber das Pattex auf beide Klebeflächen auftragen, antrocknen lassen und dann aufpressen). Ihr solltet jetzt also eine ziemlich dicke Wurst, aus der ein Stiel herausragt, vor Euch haben.

Soll die Keule im oberen Bereich noch "Metallbänder" mit Stacheln bekommen, so werden jetzt an den Seitenrändern der Bänder Einschnitte im 90 Grad Winkel zum Kernstab gemacht. Die Tiefe der Einschnitte richtet sich nach dem späteren Oberflächenverlauf (siehe Grafik), sie können ruhig etwas tiefer sein (aber nicht zu tief).

So, jetzt wird die Keule in Form geschnitten (einfach all das wegschneiden, was nicht nach Keule aussieht). Für die Feinarbeit leisten hier 100er Schleifpapier und ein Bügeleisen (Stufe 2: Baumwolle) gute Dienste. Im Anschluß daran wird die Holzmaserung mit einem Lötkolben eingeschmolzen.

Soll die Keule noch Stacheln kriegen, so sollten diese unbedingt aus Evazote hergestellt werden, da dieses Material einerseits sehr weich ist und damit Verletzungen ausschließt, andererseits aber solch eine Zähigkeit besitzt, daß die Stacheln nicht beim ersten Kontakt mit dem Gegner abreißen. Aus diesem Grund sollten die Stacheln auch mit dem unteren Teil ein gutes Stück in der Rohrisolierung versenkt eingeklebt werden (s. Grafik).

So nun ist der Rohling fertig und sollte erstmal gut trocknen. Ist dies geschehen, so geht es (und hier unterscheiden sich Keule und Streitkolben nicht) weiter mit

4. dem Latexen

Aber noch nicht sofort. Zunächst muß der ganze Rohling einmal komplett dünn mit Pattex eingestrichen werden, um eine gute Haftgrundlage zu erhalten. Eilige können auch Sprühkleber von Tesa verwenden, als "Grundierung" leistet der m. E. die gleichen Dienste (zum Herstellen von richtigen Klebeverbindungen bei Schaumstoffwaffen würde ich ihn allerdings nicht verwenden).

Andere empfehlen, die Oberfläche des Rohlings mit Schmirgelpapier anzurauhen und dann die erste Schicht Latex mit einer Zahnbürste kräftig einzubürsten. Was besser ist vermag ich nicht zu sagen, ich hatte jedenfalls mit der Tesa/Pattex-Grundierung noch keine Probleme.

Danach werden die ersten 3 Schichten farbloses Latex auf den Rohling gestrichen. Dabei sollte darauf geachtet werden, daß bei einer Holzmaserung des Stiels die Rillen zwar kommplett von Latex überzogen aber nicht vollkommen ausgefüllt sind. Nach jeder Schicht sollte das Latex einigermaßen trocknen (ein Fön leistet hierbei wunderbare Dienste). Sollte das Latex in den Rillen noch nicht ganz trocken sein, so ist das nicht ganz so schlimm. Wird durch spätere Anstriche die vorherige Schicht in den Rillen aufgerissen, ergibt sich mit der Zeit eine sehr borkige und "naturnahe" Struktur.
Bei glatten Flächen (Metall) sollte man aber mit der nächsten Schicht warten, bis die gesamte vorherige Schicht durchgetrocknet ist.

Für die nächsten 3 Schichten wird dem Latex Abtönfarbe in schwarz oder antrazit beigemischt Als Mischungsverhältnis hat sich hier 1 Teil Farbe auf 3 Teile Latex bewährt. Bei weniger Farbe ist die Deckkraft zu schwach, bei weniger Latex wird das Ganze zu dickflüssig und es bleiben dicke Pinselspuren zurück.
Für die letzte 3 Schichten wird der Latex mit der entgültigen Farbe eingefärbt. Dazu aber vorher auf einem Schaumstoffrest eine Farbprobe machen, da es annähernd unmöglich ist von dem feuchten Latex-Brei auf die Farbe im trockenen Zustand zu schließen.
Für Holzteile mische ich braune Abtönfarbe mit einem Schuß Antrazit in das Latex. Für Metallteile nehme ich Schwarz oder Antrazit mit Metallic-Farben von Citadel (insbesondere "Boltgun Metal" und "Chainmail").
 
 
Einige Leute verwenden zum Abtönen Reinpigment. Ich selbst habe damit jedoch nur schlechte Erfahrungen gemacht. Das Zeug ist zwar unschlagbar billig aber auch kaum zu kriegen. Bei der Verarbeitung zeigt es die Tendenz zur Klumpenbildung (d.h. das was man bei der Farbe spart, gibt man bei den Pinseln wieder aus) oder (bei wenig Pigment) zu mangelhafter Deckkraft.

Die endgültige Farbmischung trage ich nicht mehr mit einem Pinsel sondern mit einer Schaumstoff-Rolle für Acryl-Farben auf. Dies hat drei Vorteile: Zum einen bekommt man auf diese Weise keine Pinselspuren, die sich aufgrund der Dickflüssigkeit der eingefärbten Latex-Milch sonst kaum vermeiden lassen. Zum anderen erhält man durch die poröse Struktur der Schaumstoff-Rolle eine etwas rauhe Oberfläche, die die Waffe zum Schluß nicht gar so glänzend sondern etwas matt aussehen läßt. Schließlich lassen sich mit der Rolle gute Effekte erzielen, indem man zunächst flächendeckend einen dunkleren Farbton aufbringt und dann mit wenig farbigem Latex in einem helleren Farbton das ganze mit nur minimalem Druck "abrollt". Auf diese Weise wird Strukturen farblich "Tiefe" gegeben, da die hellere Farbe auf den erhabenen Stellen hängen bleibt, die tiefer liegenden Stellen aber dunkel bleiben. Dieser Effekt kommt schon sehr nahe an den von Zinnminiaturen bekannten Drybrush-Effekt heran.

Ist die Waffe fertig gelatext, kommt zum Schluß noch 1 oder 2 Schichten Elefantenhaut für Tapeten auf die Waffe. Danach klebt die Oberfläche nicht mehr. Obwohl diese Oberfläche mit der Zeit kleine Risse bekommt (dem kann man für eine gewisse Zeit mit neuen Schichten Elefantenhaut beikommen), hat diese Form des Oberflächenfinishs mittlerweile die alten Methoden mit Talkum-Puder oder Silikon-Spray fast vollständig abgelöst.

Eine etwas luxuriösere (weil teurere) aber ungleich bessere Form der Oberflächenbehandlung ist COETRANS von der Firma COELAN aus Coesfeld (einfach anrufen, die Mitarbeiter der Firma sagen einem, über welchen Händler vor Ort man die Produkte der Firma beziehen kann; in Bielefeld ist dies bspw. die Malerei Joswieg). Dabei handelt es sich im Prinzip um eine Art Flüssigkunststoff (die Chemiker unter Euch mögen mir meine laienhafte Ausdrucksweise verzeihen) der für Terassen verwendet wird und getrocknet flexibel bleibt aber gleichzeitig enorm zäh ist.
Mit einem Überzug aus COETRANS hat die Waffe fast Ewigkeitswert, d.h. bevor der Überzug hin ist, ist die Waffe an Alterschwäche eingegangen (naja, kleine Stellen muß man auch mit COETRANS mal nachbessern, insbesondere, wenn die Gegner Polsterwaffen der Marke "knüppelhart" verwendet). Eine 750 ml Dose COETRANS kostet etwa 50 DM. 1 l Verdünnung nochmal 20 DM (das reicht jedoch für etliche Waffen).
Die Verarbeitung ist allerdings etwas knifflig. COETRANS im Urzustand ist zu dickflüssig, um es auf die Waffe zu streichen, d.h. es muß verdünnt werden. Als Verdünner ist nach Auskunft der Firma Joswieg jedoch nur der Universalverdünner der Firma COELAN geeignet (also gleich mitbestellen). Ein Mischungsverhältnis von 2 Teilen COETRANS und 1 Teil Verdünnung ergibt meiner Erfahrung nach eine ausreichend streichfähige Konsistenz und greift auch den Latexüberzug nicht an. Die Verarbeitung von COETRANS sollte aber unbedingt mit einer Atemschutzmaske (ich benutze die einfachen aus dem Baumarkt: 10 Stck/2,95 DM) und in gut durchlüfteten Räumen geschehen (das sage ich obwohl ich ansonsten zu gesundheitsschädlichen Dämpfen die Auffassung vertrete: Sind sie zu stark, bist Du zu schwach; als ich das erste Mal COETRANS ohne Maske bei geschlossenem Fenster verarbeitete, hatte ich danach ziemliche Kopfschmerzen).
Einen einzigen ästhetischen Mangel hat COETRANS aber: Die Waffen glänzen danach wie ein Apenääs (man verzeihe mir meinen kleinen mundartlichen Einschub). Das tuen viele kommerziell hergestellte Waffen aber auch und mir ist eine glänzende Waffe allemal lieber, als eine Waffe, welche nach einiger Zeit der Benutzung aussieht, wie eine spinnenwebenüberzogene Amöbe. Wenn jemand eine Ahnung hat, wie man mit COETRANS einen matten Überzug hinkriegt, kann er mir das ja mal mailen.
Ach so: der Anstoß, COETRANS zu benutzen stammt im übrigen von Jörg Weber, dessen komatös-geniale Bauanleitungen auf seiner homepage www.dreamlands.de nicht hoch genug gelobt werden können.

Vielleicht bietet der LARP-Handel ja irgendwann mal einen haltbaren, ungiftigen, einfach zu verabeitenden und noch dazu matten Waffenlack. Bei der LARP-Armory in Dortmund sind jedenfalls entsprechende Ansätze zu erkennen.

So, nachdem die Waffe jetzt fast fertig ist, kommen wir zum letzten Kapitel, nämlich der Gestaltung

5. des Griffs

Für den Griff wird der bei der Rohrisolierung ausgesparte Bereich des Kernstabes zunächst unter Zuhilfenahme von - na was wohl - Pattex eng mit Seil umwickelt, bis er eine handschmeichelnde Dicke hat. Danach wird das ganze mit Ledergriffband aus dem Sporthandel umwickelt. Schließlich kann der Griff noch nach Belieben verziert werden. So können Polsternägel in den Griff geschlagen  (Achtung: durch das Seil neigen diese dazu beim Einschlagen zu "wandern"), eine Kordel um den Griff gewickelt oder Abschlüsse aus mit Schaumstoff aufgepolsterten Fellringen angebracht werden.

So nun ist Euer Streitkolben fertig. Verwendet ihn weise, denn wisset: ein kräftiger Schlag ist immer das letze Mittel der Bekehrung.

Verschiedene Streitkolben und Keule (anklicken um Detailaufnahme zu sehen)
 

Morgenstern (der Kopf ist aus einem Schaumstoff- bzw. Softball, die
Stacheln aus Evazote. Die Bauweise ähnelt aufgrund des Schaum-
stoffkopfes eher der eines Hammers)



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