Der Schild



 
 
 

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Hat der Priester erst einmal seine Waffe gewählt, mit der er den Scharen der Ungläubigen das Wort nahebringen will, so benötigt er jetzt noch etwas für den Fall, daß die Heiden nicht nur verstockt sondern auch wehrhaft sind.

Die Rede ist von einem Schild.
 

Im ersten Schritt muß man sich entscheiden, welche Größe der Schild haben soll. Hier gibt es kleine Schilde, wie den Buckler, welcher kaum größer als eine Armschiene ist, mittlere Schilde und solche hinter der eine kleine Armee Schutz finden könnten. In Anbetracht der Tatsache, daß die Würde des Amtes dem Priester einen besonnenen und gesetzten Kampfstil gebietet und nicht einen hektischen, beweglichen, wie ihn die Verwender von Kleinstschilden pflegen, wird der fromme Mann dem mittleren Schild den Vorzug geben. Gleichwohl soll für den jungen Adepten, der vor heiligem Eifer glüht und dessen geringes Alter seiner physischen Beweglichkeit noch keine Grenzen gesetzt haben, auch der Bau eines kleinen Schildes beschrieben werden. Da der zunächst beschriebene Aufbau des Randes zu klobig bei kleinen Schilden wirken würde, sollte bei diesen eine andere Bauart gewählt werden, die im letzten Kapitel beschrieben wird.

1. Die Form 

Hat man sich für eine Größe entschieden, so muß man sich um die Form Gedanken machen. Dazu sollte der fromme Mann sich folgende Situation vor Augen führen: Vor ihm befindet sich eine Horde bis an die Zähne bewaffneter Untoter, weshalb er zum Schutze an seinem einen Arm einen Schild trägt, auf daß ihn nicht so bald sein Schicksal ereile. In seiner anderen Hand ruht seine treue Waffe, bereit dieser Brut den Gar aus zu machen. Was aber, wenn er nun noch schnell die Untoten bannen oder durch ein Gebet um ein Wunder flehen will und für beides sein heiliges Symbol braucht. So bliebe ihm nichts anderes übrig, als entweder Waffe oder Schild beiseite zu legen und nach dem heiligen Symbol, welches um seinen Hals oder an seinem Gürtel baumelt zu grabbeln. Dies wäre entweder mit einem Verlust an Sicherheit oder mit einem solchen an Initiative verbunden. Um das zu vermeiden verzichtet der kluge Kleriker im Kampf auf ein externes heiliges Symbol und integriert es in seinen Schild. Hierbei ergibt sich eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten (siehe Grafik).

2. mittlere und große Schilde 

Bei mittleren und großen Schilden wird die Schildform nun (der Einfachheit halber mit einer Stichsäge) aus einer 1 cm Sperrholzplatte ausgesägt. Theoretisch könnten als Schildkern auch andere Materialien (Presspappe, Spanplatte oder in Polyesterharz getränkte Glasfasermatte) verwandt werden, jedoch werden diese nicht die Stabilität von Sperrholz erreichen, so daß die Gefahr besteht, daß sie im Kampf von einer harten Polsterwaffe gespalten werden. Will man jedoch einen gewölbten Schild bauen, so wird wohl kein Weg um die Glasfasermatte (auf einer Positiv-Form ausgelegt und nach dem Tocknen abgenommen) herumgehen. Hier sollten aber mehrere Lagen Glasfasermatte aufeinandergelegt werden, um die nötige Stabilität zu erreichen. Ich selbst habe mit dieser Methode bei großen und mittleren Schilden noch nicht gearbeitet. Wer es getan hat, kann mir ja mal mailen, wie es war.

Als nächstes muß man sich um die Griffanordnung und -ausgestaltung kümmern. Ich selbst verwende für den Handgriff eine Maurerkelle aus Holz, die zwar etwas schwerer ist, jedoch eine optimale Führung gewährleistet. Bei mittleren Schilden dürften aber auch zwei überkreuzte Lederriemen als Handgriff ausreichen. Lediglich bei großen Schilden und solchen ohne Armschlaufe halte ich den stabilen Holzgriff für unverzichtbar.
Die Armschlaufe besteht im Wesentlichen aus einem stabilen Ledergürtel, der in entsprechender Länge zugeschnitten wird. Geschickt ist es, wenn man jeweils die beiden Endstücke des Gürtels verwendet (d.h. die Schnalle und das Ende mit den Löchern. Auf diese Weise kann man dann die montierte Armschlaufe optimal der Armdicke (die ja auch je nach getragener Rüstung oder Gewandung durchaus unterschiedlich sein kann) optimal anpassen, um einen festen Halt des Schildes zu gewährleisten.

Der Sitz der Armschlaufe und des Handgriffes werden jetzt auf dem Sperrholzkern aufgezeichnet und die Löcher für die Befestigungsschrauben durchgebohrt. Als Schrauben verwendet man Flachkopfschrauben, die von vorne durch den Schild und den Griff bzw. die Schlaufe gesteckt werden und von hinten mit einer Mutter festgezogen werden. Danach sollte man die Schrauben über den Muttern bündig absägen und die Muttern mit einem Mutter-Hütchen (gibt es dafür eigentlich einen Fachbegriff) versehen.
Bei den Armschlaufen setze ich zwischen den Lederriemen und die Mutter noch ein ca.                    5 - 10 mm dickes Holzstück, welches die breite des Riemens überragt, um einerseits der Mutter einen besseren Halt zu geben (durch ein Drehen des Leders beim Durchstecken des Armes würde diese sich sonst mit der Zeit lockern) und andererseits die Bohrung im Leder am Ausreißen zu hindern.

Wer möchte, kann beim Lederhändler seines Vertrauens noch einen langen Riemen erstehen, um diesen in der oben beschriebenen Weise in zwei (möglichst weit auseinanderliegenden) Ecken der Schildrückseite anzuschrauben, damit man den Schild bei längeren Märschen auf dem Rücken tragen kann.

Nun ist das Grundgerüst fertig und wir können uns der Polsterung des Schildes widmen:

Dazu wird zunächst ein 3/4 Zoll Gartenschlauch der so lang ist wie der Umfang des Schildes der Länge nach aufgeschnitten. Dabei hilft es sehr, einen Schlauch mit aufgedruckten Streifen zu haben, um den Schnitt wirklich gerade zu führen. Der Schlauch wird jetzt mit reichlich Pattex um den Rand des Sperrholzkerns geklebt. Dabei sollte der Schlauch an eventuellen Ecken nicht ab- sonder bloß eingenschnitten werden, um eine möglichst durchgehende Seitenarmierung zu erreichen.
Um den Schlauch wird der Schild jetzt mit aufgeschnittener Rohrisolierung abgepolstert (die meisten Isolierungen haben schon eine Stelle, an der ein Schnitt angedeutet ist, so daß eine gerade Scnittkante kein Problem sein sollte). Dabei sollte jetzt so gestückelt werden, daß die Umrisse des Schildes gut ausgearbeitet werden, wobei aber darauf geachtet werden muß, daß die Ecken mit Pattex gut verklebt werden.
So, nun wir es etwas hakelig: Die Schildvorderfläche muß jetzt nämlich auch noch mit Isomatte (hier reicht ganz gewöhnliche, billige Isomatte aus dem Kaufhaus aus, da die Fläche doch recht groß  und die Belastung der Schildfläche (im Gegensatz zu den Kanten) im Kampf relativ klein ist) abgepolster werden. Um die Fläch gut auszufüllen schneidet man die Matte am besten erstmal etwas größer (ggfls. stückeln) und dann im zweiten Schritt genau zu, wobei man den korrekten Sitz immer wieder kontrolliert. Die Außenkanten der Polsterung muß wegen der Rohrisolierung zum Schild hin abgeschrägt werden. Hier sollte man sich etwas Mühe geben, da ansonsten nach dem Einkleben eine häßlich schiefe Kante entsteht, die auch durch das Latexen nur bedingt beseitigt werden kann.

Das gleiche wird jetzt auch auf der Schildrückseite gemacht, mit dem Unterschied, daß der Bereich zwischen und ein Stück vor Griff und Schlaufe (also da, wo beim Gebrauch der Arm sitzt) bzw. rund um den Griff, bei Schilden, die keine Armschlaufe haben, mit Evazote-Schaumstoff abgepolstert wird. Dieser Bereich wird später auch nicht gelatext (und sollte daher in schwarz, braun oder einer anderen neutralen Farbe gehalten sein), da hier der Abrieb durch den Arm bzw. die Hand im Einsatz so stark ist, daß jeder andere Schaumstoff und jeder Überzug nach kürzester Zeit unansehnlich würde.

Schließlich kann der Schild noch verziert werden. So kann der Rand mit Latex-Nieten versehen werden oder die Rückseite mit einer Holzmaserung. Auch Zierleisten zwischen dem inneren Bereich des Schildes und dem äußeren "Metallprofil" sehen schick aus. Hierfür eignet sich im übrigen Fensterdichtungsband aus Gummi, welches es im Baumarkt in vielen verschiedenen Profilformen gibt. Dieses wird einfach in einem festen Abstand zur Schildkante auf den Schild aufgeklebt und später mitgelatext.

Danach ist der Schild im Rohbau fertig und kann mit Latex überzogen werden (bis auf den Bereich zwischen den Griffen; s.o.). Der Vorgang ist wieder im Wesentlichen der Gleiche  wie beim Streitkolben, insofern wird auf die dort gegebene Beschreibung verwiesen.

3. kleine Schilde 

Bei kleinen Schilden sollte man keinen Holzkern verwenden. Insofern erübrigt sich auch der Polsterwulst um den Rand.

Statt dessen wird die Schildform zunächst aus einmal aus 3 mm und zweimal aus 10 mm Polsterwaffenschaumstoff ausgeschnitten (Man kann auch zunächst nur eine Form aus 10 mm Polsterschaumstoff ausschneiden und mit der zweiten warten, bis sie tatsächlich gebraucht wird. Dann kann einfach eine größere Platte aufgeklebt und rundherum in Form geschnitten werden.). In das 3 mm Stück wird dann eine Aussparung geschnitten. Dabei sollte der stehengelassen Rand rundherum jeweils 10 cm breit sein (bei stark gebogenen Schilden dürfen es auch nur 7 cm sein).

Dieser Ring wird jetzt mit Pattex auf die 10 mm Platte aufgeklebt. Man hat danach eine Art Teller mit einer Vertiefung in der Mitte vor sich. In diese Vertiefung werden nun mehrere Schichten Glasfasermatte (gibts im Baumarkt in der Autoreparaturabteilung, die grobe Matte ist für unsere Zwecke am besten geeignet), die mit Polyesterharz (gibt es ebenfall da) getränkt wurden, einlaminiert (Dies ist eine unglaublich klebrige Sauerei. Also immer Einweg-Folienhandschuhe tragen !). Dabei läßt man immer die vorherige Schicht trocknen (ca. 10 min), bevor die nächste eingearbeitet wird.

Nach der ersten Schicht Glasfasermatte werden die Schrauben für die Griffbefestigung (gleiche Art wie beim großen Schild; auf jeden Fall Unterlegscheiben verwenden) in das noch feuchte Harz gedrückt. Dies darf auf keinen Fall vergessen werden, da es ansonsten schwer wird, die Griffe fest an dem Schild anzubringen.
Da bei den kleinen Schilden in der Regel nur ein Handgriff in die Mitte gesetzt wird (d.h. zwei Lederriemen die so locker parallel angebracht werden, daß man sie in der Mitte zusammen greifen kann), reichen vier Schrauben, die im Quadrat angebracht werden, hier vollkommen aus.
Bei den weiteren Glasfaserschichten werden dann jeweils Löcher an den Stellen eingeschnitten, wo die Schrauben sitzen (selbstverständlich bevor die Matte mit Polyesterharz getränkt wird).

Soll der Schild gebogen sein, so wird der Schild jeweils unmittelbar nachdem eine Schicht eingearbeitet wurde so lange in der gewünschten Biegung gehalten, bis das Harz getrocknet ist. Spätestens nach der dritten Schicht sollte das Ganze eine gewisse Formbeständigkeit haben.

Hat man sich so bis auf Höhe des oberen Randes des 3 mm starken Schaumstoffringes hochgearbeitet, läßt man die ganze Sache erst einmal ausgiebig trocknen. Danach wird wieder mit Pattex der "Deckel" aus 10 mm Polsterschaumstoff aufgeklebt (Löcher für die Schrauben nicht vergessen !).

Um den Rand des Schildes wird jetzt noch mit (na, was wohl ?) Pattex ein Streifen aus 5 mm Polsterwaffenschaumstoff geklebt. Dies gibt dem Rand zum einen eine glatte Oberfläche und dient andererseits zur Beruhigung jeder Waffen-SL, die befürchtet, der Polyesterkern könnte ausbrechen. Läßt man diesen Streifen etwas breiter als die Dicke des Schildes (also breiter als 23 mm), so hat man auf diese Weise auch eine propere Schildeinfassung.

So, nun ist der Schild fertig und kann verziert (Holzmaserung mit Lötkolben einbrennen, Schildbuckel aus halbierten Softbällen aufkleben u.s.w.) und danach gelaxt werden. Da ich keine Lust habe den Anstrich mit Latex sowie die Nachbearbeitung immer wieder zu beschreiben verweise ich auch hier wieder auf die Beschreibung beim Streitkolben.
 
 
 

Ein großer und zwei kleine Schilde

Zwei kleine Schilde (einer mit Schilddorn)
(anklicken für Deteils)

 

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